John Garcia – John Garcia (Review, 2014)

John Garcia - John Garcia

Ein (halbes) Lebenswerk

John Garcia

John Garcia

Das unspektakulär betitelte Soloalbum John Garcia des gleichnamigen Sängers scheint auf den ersten Blick einen Anfang darzustellen. Nämlich den Anfang der Solokarriere des Mannes, welcher unter Kyuss, Unida und Slo Burn zur „Stimme der Wüste“ avancierte. Um sein Soloalbum endlich verwirklichen zu können, lehnte er Angebote von Unida und Vista Chino ab – beide Bands wollen neues Material veröffentlichen. Doch auf gewisse Weise ist dieses Album das Endprodukt eines jahrzehntelangen Weges und eine Herzensangelegenheit des umtriebigen Vokalisten. Erste Fassungen einiger der Songs auf John Garcia entstanden schon während der ersten Tage von Kyuss und weitere sammelten sich über die zahllosen Touren, Nebenprojekte und Erfahrungen in einem Pappkarton im Hause Garcia an. Das schlägt sich auch in der wild zusammengewürfelten Liste der Gastmusiker nieder: Nick Oliveri (Kyuss, Queens of the Stone Age), Robby Krieger (The Doors), Chris Hale (Slo Burn, Brave Black Sea), Danko Jones … man könnte noch die eine oder andere Zeile füllen. Aber nun genug des historischen Vorgeplänkels.

Die ziemlich genau 45-minütige Reise beginnt mit My Mind. Zwei trockene Drum-Beats müssen als Einleitung reichen, direkt danach befindet sich der geneigte Desert-Rock-Fan im von ihm bevorzugten Habitat bestehend aus trockener Gitarrenwand und wummerndem Bass. Nach wenigen Sekunden beginnt auch schon das Gekrähe Garcias. Insgesamt erinnert der Opener –vor allem im Refrain- an Hermanos My Boy. Es folgen die Riff-Kracher Rolling Stoned und Flower. Bei ersterem handelt es sich um ein Cover der kanadischen Band Black Mastiff und wartet in der gut 90-sekündigen Intro bereits mit mehreren zerstörerischen Riffs auf, welchen Fans von Fu Manchu das Herz aufgehen lässt. Unterlegt wird das Ganze mit einem repetetiven, aber wirkungsvollen und griffigen Bass. Garcia hält sich hier eher zurück und hat nur wenige, recht lakonisch gehaltene Vocal-Parts. Ein frühes Highlight des Albums! In Flower blüht der Namensgeber des Albums auf und beansprucht den Vordergrund wieder für sich. Mit verzerrter Stimme schreit sich Garcia markant durch den vier-minütigen Song. Seiner Stimme und auch dem Zuhörer wird an dieser Stelle eine Ruhepause gegönnt. The Blvd beginnt ruhig und mit einem bassigen Groove, der kein Entrinnen zulässt. Der vertiefte Zuhörer wird von einem abrupten Wechsel hin zu einem harten Chorus überrascht und aus seinem Groove gerissen.

Der von Danko Jones auf einer gemeinsamen Tour für Garcia verfasste Song 5000 Miles kann mit seinem simplen, sich wiederholenden Riff nicht mit den vorangegangenen Songs mithalten und bildet zusammen mit Confusion am Ende der A-Seite einen Tiefpunkt der Platte. Confusion löst aufgrund der Abgeschiedenheit der ansonsten überraschend kohärent-wirkenden Titelansammlung tatsächlich etwas Verwirrung aus. Minimalistische, stark verzerrte Gitarrenanschläge und die ausnahmsweise vollkommen klare Stimme Garcias quälen den Zuhörer über dreieinhalb Minuten.

Die B-Seite wird von His Bullets Energy eingeleitet – einer Nummer die in dieser Form auch auf der unveröffentlichten zweiten Unida LP hätte landen können. Argleben ist wieder stark auf den Gesang Garcias fixiert und bietet instrumentalisierungstechnisch wenig Kreativität. Anschließend kommt mit Saddleback ein weiterer Unida-ähnlicher Track. Das Gitarrenspiel ist sehr nahe an dem Stil des Unida Gitarristen Arthur Seay. Mit unter drei Minuten ist dieser Song der kürzeste der Scheibe – trotzdem gibt es einen kurzen, feinen Solo-Part der Rhythm-Section. Auf Saddleback folgt die Neuaufnahme des Slo Burn Songs Cactus Jumper. Der Smasher bekam ein neues Intro unter Mithilfe des Yawning Man Gitarristen Gary Arce, wurde ein wenig verlangsamt und trägt den Namen All These Walls. Hierfür konnte Garcia neben dem damaligen Bassisten Damon Garrison –welcher Großteile der Basstracks von John Garcia (also dem Album) einspielte- auch den Slo Burn Gitarristen Chris Hale an Bord holen. Bei dieser wilden Nummer gerät Garcia an seine stimmlichen Grenzen und die neue Version kommt nicht an das Original heran. Dass sich Garcia mit 43 Jahren die Seele nicht mehr derart aus dem Körper schreien kann, wie er es vor knapp zwei Dekaden noch tat, kann allerdings auch niemand erwarten. Der elfte und letzte Song Her Bullets Energy begrüßt den Hörer mit versöhnlichen und harmonischen Akustik-Gitarren- und Mandolinenklängen. Der Urheber ist niemand Geringerer als Robby Krieger von The Doors. Nach knapp einer Minute kunstfertigen Geklimpers stößt Garcia ruhig und gedankenverloren dazu. Die mit Abstand besten Minuten des Albums folgen und die langsam ausklingende Gitarre Kriegers entlässt den Zuhörer sanft.

Insgesamt merkt man John Garcia (Album) seine lange und unstetige Entstehung an. Es gibt einzelne Höhepunkte, aber vor allem der mittlere Part hat seine Längen und teilweise auch Tiefpunkte, welche glücklicherweise von dem starken Anfang und dem überragenden finalen Track Her Bullets Energy ein wenig gerade gerückt werden. Natürlich liegt der Fokus des Long-Players auf der Stimme des Namensgebers, das wirkt sich jedoch bei einigen Songs sehr nachteilig auf die Instrumentalisierung aus, die stets solide, aber teilweise unkreativ und schlicht langweilig ausfällt. John Garcia (Person) wird nach einer kurzen Australien-Tour im September längere Zeit in Europa unterwegs sein und dort mit Sicherheit auch den einen oder anderen Song seiner vorangegangenen Projekte zum Besten geben.

01. My Mind
02. Rolling Stoned
03. Flower
04. The Blvd
05. 5000 Miles
06. Confusion
07. His Bullets Energy
08. Argleben
09. Saddleback
10. All These Walls
11. Her Bullets Energy

Laufzeit: 44:52 min

Anspieltipps: Rolling Stoned, The Blvd, Her Bullets Energy

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Stoned from the Underground 2014


Stoned_From_the_Underground_Bericht_Banner_2014

Donnerstag – 10. Juli 2014

Heilige Scheisse, haben wir uns alle auf das Stoned gefreut, so dass einige von uns sogar schon Mittwoch Mittag angereist sind. Die schlechte Wettervorgersage, waren uns dabei noch nie egaler. Vielleicht mit einem neuen Höhepunkt was die Qualität des diesjährigen Lineups angeht, ging er los… der Band-Marathon.

Cheap Thrills

Stoned_2014-4Na das is doch mal ne willkommene Abwechslung, wenn in dieser Männer-dominierten Szene mal eine All-Girl-Band den Opener gibt. Und die Mädels aus Holland (das Land ohne WM-Pokal) wissen, wie man ordentlich was aufs Parkett legt! Schön energiegeladener, rotziger Rock ist ja auch der beste Weg in so ein Wochenende zu starten. Und wenn das ganze noch mit bisschen Punk und Garage angereichert wird, ist die Party garantiert. Schönes Ding Ladies!
-Kev-

Gonga

Die zwei Elgie-Brüder aus Bristol legten mit Bassist Latch am frühen Donnerstag einen ordentliche Brei aus Stoner und Doom hin. Lange, ausgedehnte Jams, die nie an Heaviness verlieren und ohne jeglichen Gesang einfach nur brettig klingen. Dürfte auch die letzten Schnapsleichen dazu bewegt haben aus ihrem reudigem Zelt den Weg zum richtigen zu finden.
-Nik-
gonga (2)

The Vintage Caravan

Die Drei mögen vielleicht jung sein, aber sie sind keineswegs mehr grün hinter den Ohren. Die Band wurde bereits 2006 in der eisigen Kälte Islands gegründet, als die Jungs gerade mal zwölf Jahrewaren. Acht Jahre später sind The Vintage Caravan eine solide Heavy-Bluesrock Band, die über den Planeten tourt und ihre großartigen Songs einer breiten Masse an Rockfans präsentiert. Ich selbst hab sie auf dem diesjährigen SFTU zum ersten Mal erleben dürfen und sie haben mich glatt umgehauen. So ein gutes Zusammenspiel und eine einnehmende Bühnenpräsenz trotz des jungen Alters: Respekt! Außerdem war kein einziger schwacher Song herauszuhören, so dass ich mich in naher Zukunft etwas genauer mit den Jungs beschäftigen muss.
-Kev-

Valient Thorr

valientDu kannst einfach nichts falsch machen, wenn du dir Valient Thorr auf die Bühne holst; das dachten sich die SFTU Veranstalter: deswegen zum zweiten Mal nach 2011. Die famosen Bart-Rocker aus North Carolina wissen halt immer noch wie man das Publikum in den Bann zieht. Schwere Riffs und große Songs. Eine schweißtreibende, energiegeladene Show. Valient Himself ist ein verdammt guter Entertainer und gibt der Menge was sie will: Party! Kraftvoller Heavy-Rock von seiner besten Seite!
-Kev-

Pentagram

Stoned_2014_PentagramDass ich das noch erleben darf! Endlich schaffe ich es doch noch auf ein Pentagram-Konzert. Wenn Mr. Liebling so weiter macht, wird unsere Freude auch in Zukunft währen. Was für ein Auftritt, welche Energie und Kraft dort von der Bühne ausgeht, sucht absolut seines gleichen. Wenn auch bereits am Donnerstagabend etwas dem Alkoholkonsum geschuldet, ich bin hin und weg und kann mich selbst nach dem Auftritt nicht mehr einkriegen, was da von Statten ging. Mir fehlen die Worte – muss man einfach gesehen haben!
-Flo-

Kommentar Kev: Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass Bobby Liebling niemals zu alt für eine gute Show sein wird. Es ist Wahnsinn, dass dieser Typ uns immer noch diese Riesenfreude eines Pentagram-Gigs beschert. Auch Victor Griffin war verdammt gut drauf und spielte ein klasse Konzert. Nach dem Desertfest 2013 dachte ich nicht, dass ich die Band so schnell noch mal sehen würde, aber wie gesagt wird man sich dran gewöhnen müssen…Gottseidank!

Freitag – 11. Juli 2014

Nach der Aftershowparty kamen die Katzen über Nacht. Gegenmittel am nächsten Morgen: Einen Draufkippen! Ging ja auch nicht anders.
Am Freitag gings eher calm’n‘heavy zu. Mars Red Sky, Kylesa und das “deutsche Flagschiff” gaben sich am Abend die Ehre.

Slow Green Thing

slow (2)Die vier Dresdner von Slow Green Thing waren ein klasse Opener für den Freitag. Eine Vielzahl von Einflüssen aus den 70’ern, Psych, Doom und Stoner wurden zu einem köstlichen Heavy-Rock-Cocktail zusammengemixt. Fliegende Haare und gereckte Fäuste trieben die Jungs zu einem super Gig an. Würde mich sehr freuen die Band bald auf einer größeren Bühne zu sehen.
-Kev-

Treedeon

Als großer Ulme-Fan, war sich das neue Projekt von Arne Heesch anzusehen, ein Muss. Und enttäuscht wurde man als Liebhaber des Lauten und Extremen auch mit Treedeon nicht. Ulme-typische, melodische Parts findet man zwar kaum, dafür aber doppelte Power am Mirkofon. Denn sowohl Arne als auch Power-Frau Yvonne schreien sich die Seele aus dem Leib, während Christian wild um sich schlägt. Dickes Noise-Projekt.
-Tim-
Stoned_2014_Treedeon

The Cosmic Dead

Die Schotten hatten auf Grund einer Panne mit ihrem Tourbus den Slot mit Mother Engine getauscht. Das Bedürfnis den monotonen und langatmigen Psych-Vibes live Beachtung zu schenken hatte ich schon lange. Auf dem Stoned sollte dies klappen. Nach einem unglaublichen uninspiriertem Opener nahm die Freak-Show ganz gut Fahrt auf. Cook wälzte sich mit seinem Mic auf dem Boden, McKay hielt seine Tele mehr und mehr vor die Monitore und Amps. Von ihren Space-Trips am sonnigen Nachmittag wurden die beiden immer wieder durch Dicken (Drums) und Aborida (Bass) zurückgeholt, die Brücke des Cosmic Dead-Spaceshiffs. Insgesamt eine amüsanter Auftritt, wobei man sich die Musik eher vom Dreher gibt. Drückt besser!
-Nik-

Zu 2120’s hat es leider niemand geschafft…

Belzebong

Stoned_2014_BelzebongWas für ein Brett! Die vier Polen bilden ein so massives, langsames und fieses Monster auf der Bühne, einfach unbeschreiblich. Tonnen an Riffs getränkt in Verzerrung… und ich meine richtig fette, fuzzige, groovige, rauchumwaberde Riffs. Und das die ganze Zeit, nicht ein stiller moment in diesen herrlichen Songs. Nur 45 Minuten purer Rock Geilheit. Ein böser und hässlicher Bastard aus Stoner, Doom und Sludge. Mit Sicherheit eines der besten Konzerte, die ich dieses Jahr gesehen hab!
-Kev-

Mars Red Sky

Stoned_2014_Mars_Red_SkyHach ich bin verliebt in diese Band. Auch wenn sie doch eher klassische Stonereinflüsse haben, sie sind einfach anders als der Rest. Nicht zu guter letzt durch Julien’s einzigartige Stimme. Der gekonnte Mix aus ruhigen Passagen und der geballten Power um Hochhäuser zu sprengen zieht auch bei den neuen Songs, wenn auch “Strong Reflection” ein Meisterwerk für sich bleibt. Jeder einzelne gespielte Titel verwandelt das Festivalgelände in ein Traumland. Ich mache die Augen zu und schüttle mein rar gesätes Haar, vergesse sämtlichen Stress und all meine Sorgen. Leider nimmt die Reise nach 45 Minuten ihr Ende, welche jedoch in gerechtfertigtem, frenetischem Beifall endet.
-Flo-

Kommentar Nik: Einen technisch einwandfreien Auftritt lieferten Mars Red Sky ab. Bei tiefstehender Sonne durchstömten die Wellen mit niedrigster Frequenz das Publikum. Vor allem die Lieder vom neuen Album Arcadia wurden präsentiert, aber auch Songs von Be My Guide oder ihrem Debüt fanden einen Platz auf der Setlist. Persönlich finde ich es immer wieder faszinierend wie der Julien nicht nur mit seiner Korg-Gitarre diesen unverwechselbaren Sound erzeugt.  

Kylesa

Stoned_2014_Kylesa_LauraViele Jahre versuchten die SFTU-Veranstalter schon Kylesa bei einer ihrer zahlreichen Touren zu erwischen, aber das lange Warten hat sich gelohnt. Kylesa zerstörten die Bühne, das Publikum – ja das ganze Festival – mit ihrem treibenden Post/Sludge. Es war eine verdammt intensive Erfahrung für mich die Band das erste Mal live zu sehen. Laura’s großartige Ausstrahlung und ihre Präsenz; die zwei Schlagzeuger die wie Atomuhren aufeinander abgestimmt waren; Corey’s und Phillip’s vertrackte Riffs. Es war einfach alles perfekt. Eine der besten Live-Bands unseres Planeten und ein unvergesslicher Moment für jeden in der Menge!
-Kev-

Colour Haze

Stoned_2014_Colour_HazeÜber Colour Haze zu schreiben gibt eigentlich kaum noch Sinn. Worte voll Lob würden euch entgegen prasseln. Wer Psychedelic mag, bekommt hier mal wieder die Krönung. Neben einem, wie immer tollen Set (mit Tempel, Aquamaria, Moon, Love, etc.) gibt es auch einen neuen Song zu hören! Und ja, es klang super. Und ja, wir können das neue Album auch kaum noch abwarten!
-Tim-

Samstag – 12. Juli 2014

Auch der letzte Tage sollte von Highlights nur so überquellen!

Blutige Knie

Stoned_2014_Blutige_KnieDas Berliner Duo Blutige Knie gab am Samstagmittag ein nettes Überraschungskonzert auf dem Hügel neben dem Zeltplatz bevor der reguläre Bandbetrieb losging. Der schöm dreckige Trash-Punk war eine willkommene Abwechslung für die ganzen Leute, die körperlich noch in der Lage waren, den Hügel zu erklimmen. Die Mittagssonne knallte, die ersten kühlen Biere flossen und die Band hatte sichtlich Spaß. Samstag 12 Uhr pendelt sich langsam als fester Zeitpunkt für die ein oder andere Überraschung ein, mal abwarten was nächstes Jahr passiert 😉
-Kev-

Grandfather

grandfather (5)Leicht verspätet trotte ich ins prall gefüllte Zelt ein, als Grandfather bereits den zweiten Song anstimmen. Von da an herrscht pure Extase. In allen acht Augen der Bandmitglieder sieht und vor allem hört man, dass jeder einzelne seit Jahren davon träumt, einmal auf dem Stoned spielen zu können! Ich durfte die Jungs ja schon öfter sehen, aber was sie da gerade für ein Feuerwerk losblasen ist eine Hausnummer. Voller Elan, voller Enthusiasmus werden sowohl die “alten” Songs von On My Track, als auch der neuen EP The Wolf aufs Allerfeinste zelebriert. Kurz nach 14 Uhr ist das Stoned wach, jeder Kater verflogen, und alle in absoluter Partystimmung. Definitiv einer der besten Auftritte des Wochenendes!
-Flo-

Kommentar Nik: Absoluter Wahnsinn am Samstagmorgen! Den Schritt, den die Jungs seit der Verpflichtung eines weiteren Gitarristen gemacht haben, ist riesig. Auf Platte schmeckte mir On My Track bereits wie Honig in der Sauna, live wars noch salziger! Die neuen Songs machen ebenfalls ordentlich Dampf! Ich sag nur: Weitermachen!

Kommentar Kev: Schande über mein Haupt Ich hab im Vorfeld schon von so vielen Leuten zu hören bekommen: “Alter, zieh dir mal Grandfather rein”. Aber bis jetzt hatte ich nicht die Zeit mich mit den Jungs aus Jena zu befassen, also war dieser Gig mein Erstkontakt zu ihrer Musik. Jetzt weiß ich, dass die ganzen Leute es nur gut mit mir gemeint haben. Was für ne geile Show! Purer Heavy Rock mit haufenweise anderen Einflüssen, sehr abwechslungsreich und eingängig. Großartig!

Mandala

Sonnebrille auf, Kippe in den Mund & Bier in den Rachen! Wir aufm Hügel, Mandala auf der Bühne, absolute Entspannung. Die vier unbeweglichen und mir bis dato unbekannten Herren haben nen super Eindruck hinterlassen. Da muss die Tage nochmal nachgearbeitet werden!
-Nik-

Miss Lava

Miss LavaWillkommen aus Lissabon, Leute: Miss Lava! Eine weitere Band dieses Wochenende, deren Musik ich zum ersten Mal hören sollte. Kurz nach um 4 Uhr am Nachmittag war die Sonne auch Lava-ähnlich, aber es waren überraschend viele Leute vor der Bühne. Vielleicht ein Geheimtipp, dachte ich so bei mir. Aber nein, mehr als das! Eine herrausragende, vor Energie und Distortion nur so strotzende Band. Herrlicher Partyrock, aber von der Sorte mit dicken, behaarten Eiern. Muss ich mir auf jeden Fall demnächst nochmal irgendwo reinziehen!
-Kev-

Brave Black Sea

Da sind sie also live, die vier Rocker aus der kalifornischen Sonne. Brave Black Sea geben fast ihr komplettes Album zum Besten. Die Songs haben live deutlich mehr Power, mehr Bumms, was ein Garant für durchgängiges Kopfnicken ist. Dazu werden ein paar Kyuss und Slo Burn Klassiker kredenzt. Erstaunlich ist, dass die vier jederzeit wie ein Schweizer Uhrwerk zusammen fungieren, besonders sticht für mich jedoch Damon`s herrlicher Gesang (und natürlich Alfredo`s Schlagzeug) heraus. Ein rundum hervorragender Auftritt und vier verdammt coole Typen, welche das Festival mit ihrer drei-tägigen Anwesenheit und ihrer gelassenen und zugänglichen Art auf jeden Fall bereichern!
-Flo-

Mother Engine

Stoned_2014-47Tja Leute, was soll ich noch über meine Freunde von Mother Engine schreiben? Ich hab bereits soviele Worte gefunden, nicht dass sie noch die Bodenhaftung verlieren, wenn ich sie wiedermal mit Lob überschütte, aber was soll ich machen? Sie waren einfach nur verdammt geil auf dem SFTU! Und ausserdem denke ich, dass die Jungs gut mit den vielen Lobeshymnen klarkommen, also was solls. Es war einer der besten Auftritte des gesamten Wochenendes, sie mussten den Slot mit The Cosmic Dead tauschen und durften so in der Primetime um 18:30 Uhr ran. Das Trio aus Plauen zelebrierte seinen instrumentalen Stonerrock mit so viel Spaß und Hingabe, dass es sofort auf die Zuschauer überging. Sie spielten dabei einige neu Stücke vom kommenden Album und ein paar starke Nummern vom Debut, an das sich einige Besucher des letztjährigen Zeltplatzgigs bestimmt erinnern können. Die ausufernden Jam-Parts, die mächtigen Riffs und dieser spezielle Groove machen diese Band wirklich einzigartig!
-Kev-

Dӱse

Stoned_2014_DyseDu musst Dӱse werden. Und ich glaube alle sind es hier bereits. Der D-Böller des Underground Rocks zündet los und reißt alle mit. Gefühlt steht jeder Festivalbesucher vor der Bühne grölt fanatisch die dysenden Schlachtrufe mit, um sich dann von der Betonkeule voll eine reinziehen zu lassen. Das ganze findet seinen G-Punkt in Spinne mit einem sanften Buup. Wer hier nicht vor der Bühne ist, verpasst ein Stück “Stoned-Geschichte” und muss sich bis an sein Lebensende die Frage gefallen lassen, wo er denn am 12. Juli 2014 zwischen 19:45 Uhr und 20:30 Uhr war!
-Flo-
Kommentar Kev: Die beiden sind einfach der Wahnsinn, was für ein wilder Mix aus Stilrichtungen, Klängen und Rhythmen. Es ist für den Ersthörer sicherlich anspruchsvoll, sich in diesen kauzigen Noise-Rock hinein zu versetzen. Aber wenn man erstmal richtig drin ist, muss man sie lieben! Freakig, lustig, verrückt…einfach Dÿse halt! Jari’s unglaublich energisches Schlagzeugspiel ist schon alleine eine Augen- und Ohrenweide, während Andrei mit seinem vielschichtigen Spiel und diesem krassen Gitarrensound überzeugt. Aber was red ich überhaupt, Dÿse kann man nicht beschreiben, Dÿse muss man hören! Glaubt mir!

Ufomammut

Muss ich hier eigentlich noch ein Wort verlieren? Hart, härter, Ufomammut. Diese akustische Darbietung des italienischen Trios gleicht einer Vergewaltigung. Mit dem Unterschied, dass die Vergewaltigten wir, das Publikum, sind und wir massig Spaß daran haben. Besser oder detaillierter kann ich es nicht beschreiben, und schon gar nicht musikalisch, denn das muss man einfach gehört, erlebt und erfahren haben.
-Flo-

Graveyard

Stoned_2014_GraveyardZuletzt gesehen hatte ich Graveyard vor Jahren im Kafe Cairo in Würzburg auf Knie-hoher Bühne. Damals als Support (!) von Witchcraft. Klar, dass mich der Auftritt umgehauen hat. Die Frage die sich jetzt 2014 stellte, war ob die nun doch sehr erfolgreichen Schweden auch auf hohen Bühnen mit Charme, Gefühl und Retro-Charakter aufblühen können. Sie können. Eine wahrlich großartige Show, mit diesen Songs, die vom genialen Song-Writing getragen werden. Um nicht in Lobhudelei auszuarten, ein Wort, dass Graveyard so stark macht: Emotionen.
-Tim-

Kommentar Kev: Graveyard sind eine der Top-Bands der neuen 70’s-Rock-Welle und sie verdienen sich diesen Status zurecht. Daher sind hier auch mal ein paar weniger Worte meinerseits ausreichend: Geile Show, nette Leute und verdammt gute Musik.

Danke Stoned! Bis zum nächsten Jahr. Bilder gibt’s hier.

Stick & Stone Fest 2014

Zugegebenermaßen zählt das osttirolerische Nikolsdorf mit seinen knapp 900 Einwohnern nicht gerade zum Standardreiseziel des Durchschnittsmusikinteressenten. Doch haben beschaulich-bäuerliche Kulissen schon bei einigen Festivalvorreitern bewiesen, dass kleinere und intimere Schauplätze mehr Sympathie und Atmosphäre bergen, als so mancher Veranstaltungsklotz im tristen Massenabfertigungsareal.

Der 2012 entstandene Kulturverein hat sich für ein Stonerrock-Festival somit den perfekten Ort ausgesucht.
Nachdem die Vorjahresedition mehr als beeindruckend über die Bühne lief, war es irgendwie logisch, der kleinen Gemeinde ein weiteres Mal einen Besuch abzustatten.

Tag 1

Die zum Trio zusammengeschrumpften Salzburger Sativa Root fungieren als Ouvertüre und erledigen auch den ersten Spatenstich des von einheimischen Bands dominierenden Line-Ups. Mit indiskretem Stoner-Sludge, der sämtlichen Dreck bis aus den Achselhöhlen aufwirbelt und das umgebende Bergmassiv erzittern lässt, wird man gleich zu Beginn von einer einladenden Riff-Majestät umarmt. Durch die erst kürzlich umgekrempelte Bandmannschaft bleiben zwar ein paar Schnitzer nicht unentdeckt, ändern jedoch auch nichts an der Quintessenz ihres Tuns – Enthusiasmus, Freude und Spielwut.

Stick&Stone - Grand AstoriaDass mein persönliches Highlight schon so früh und ausgerechnet mit The Grand Astoria erreicht ist, hätte ich ehrlich gesagt nicht erahnt. Mein Interesse für die Band befand sich stets in einer gewissen Grauzone und daran änderte sich auch beim ersten Live-Erlebnis mit der russischen Kombo nichts. Heute wirkt die Band übelst gut gelaunt und motiviert. Dieser Stimulus schlägt einen wahrlichen Purzelbaum in die Publikumsmenge und breitet sich wie ein Glücksvirus aus. Ist es die atemberaubende Bergkulisse, der Vitamin D-Überschuss oder der süßlich-herbe Geschmack des Bieres, die den Endorphinspiegel eskalieren lassen?
Der ohnehin schon antreibende und virtuose Stoner Rock n‘ Roll vertreibt jegliche Mattigkeit und verschmilzt die Musiker mit seinen Zusehern zu einer großen, tanzenden Einheit.

Die krankheitsbedingte Absage von Electric Moon hatte wenige Tage zuvor zwar für Unmut gesorgt, eine ehrenhafte Substitution konnte mit der deutsch-australischen Gruppe Powder for Pigeons allerdings rechtzeitig gefunden werden. Bassisten vermisst man bei Gitarre-Schlagzeug-Duos dank Effekttuning schon lange nicht mehr, somit überzeugen die Beiden mit kraft- und druckvollem sowie fuzzigem Stoner mit Punk-Anleihen. Ihr Opener Drive ist hierfür das perfekt gewählte Ruder um die treibende Kraft weiterhin in die richtige Position zu steuern.
Stick&Stone - Mother's CakeStilistische Mannigfaltigkeit ist auf so genannten Szene-Festivals oft schwierig zu beschaffen, vor allem im Bereich Stoner Rock. Irgendwann klingt doch alles irgendwie ähnlich. Das Rad neu zu erfinden und gezwungen anders klingen zu wollen, sollte andererseits auch nicht die Hauptaufgabe von Musik und ihren Erschaffern sein.
Die Innsbrucker von Mother’s Cake haben sich für ihre Kunst etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Vom typischen Stoner nur ansatzweise inspiriert, klingt das hochbegabte, blutjunge Trio weit komplexer, fast schon mathematisch, aber nicht unnahbar oder gar fremd. Warmherziger Funkedelic, der so progressiv rockig klingt, als hätten Mitglieder von Black Rebel Motorcycle Club und The Mars Volta Kinder in die Welt gesetzt um ihr großes Erbe weiterzugeben. Während alles tanzt und träumt, verfliegen die 1,5 Stunden wie im Zeitraffer, dessen Dynamik und Intensität man sich erst im Nachhinein bewusst wird.

Ein weiteres Wagnis in Sachen Musikstil bildet der Abschlussposten eines durchaus erfolgreichen, schönen und spannenden Festivaltages: Mary-Ann Kiefer. Die Wiener Zwei-Mann-Truppe macht sich mit jeweils Bass und Drumset auf der Bühne breit und versammelt ihre imaginäre Armee aus noisigem Electronic und Post Rock um sich, deren Kulisse punktierter Matrix-Codierung ähnelt. Vielleicht trübt aber auch das biergetränkte Auge die eigene Wahrnehmung – ein Stadium, das zur mitternächtlichen Zeit keine Seltenheit ist. Ab und an huscht ein Gitarrist auf die Bühne, geht, kehrt zurück und verschwindet wieder – sein genauer Aufgabenbereich bleibt mir aufgrund des obgenannten Zustandes jedoch irgendwie versagt.

Tag 2

Ein schattiges Plätzchen am Zeltplatz ist für den eigenen Energieaufladungsvorgang hochessentiell. Anders würde man ja bereits um 7 Uhr von der Sonne aus dem Zelt gejagt das erste Bier köpfen. Mit ausgeruhtem und doch teils läppischem Gemüt verschiebt sich diese Tradition um 2, eventuell 3 Stunden, bevor man gegen 15:00 wieder am Bühnengelände eintrifft. Dank bester kulinarischer Versorgung, sei sie nun karnivorer oder fleischloser Natur, bleibt auch die Angst vor akutem Gewichtsverlust unbegründet. Soweit so gut.

Für das sich am Boden räkelnde Festivalvolk sind Minus Green genau der passende Act. Die Gastgeberband mit Wiener Hauptsitz hatte ihren ersten Live-Auftritt erst Anfang Mai vollbracht, das Ensemble wirkt aber dennoch ausgeglichen und gut aufeinander eingespielt. Die Einflüsse von Monkey3 sind anhand des knackigen und spacigen Psychedelics unüberhörbar, Songs wie der transzendente Alien Surf oder das im Colour Haze-Stakkato humpelnde Cincinnati Rope gleiten in die Köpfe des Publikums und verwandeln die Festivalwiese in eine ausgewogene Chill-Landschaft.
Stick&Stone - PastorDas in der Szene bereits hochgeschätzte Quartett Pastor aus Wien darf sich ebenfalls als Gast des Festivals einfinden. Die Songs der im Frühjahr über Who can you trust?-Records hinausbugsierte 7‘‘-EP Wayfaring Stranger / The Oath trifft mit LSD-getränktem Rotz-Blues einen zeitgenössischen Nerv, mit dem schon Bands wie Graveyard, Kadavar oder Witchcraft die Oberliga des Vintage-Olymps erklettern konnten. Auf der hiesigen Bühne geht’s allerdings nicht ganz so aalglatt zu, zumal Pastor musikalisch mindestens genauso viel Dreck auf ihren Stiefeln mitschleppen, wie ihre Instrumente hinausröhren.

Irgendwo zwischen trollend-verrückt und orientalisch-ernst durfte ich das kroatische Trio Seven That Spells schon in vielen Gemütslagen begrüßen. Gitarrist Niko bedient sich zwar wie ein Zinnsoldat der Ruhe und Stille, auch vermisse ich Ansagen wie „Hey we are Led Zeppelin“ oder „Please have some merch or our wives gonna kill us“ ein klein wenig, aber man kann ja nicht alles haben. Dafür paart sich Cosmo-Erotik mit psychopatischem Schredder-Lärm und Walgesänge speien auf wunderschöne Psychedelic-Melodien. Dass die Band stets behauptet, jenseits von allem zu sein, glaubt man ihnen aufs Wort. Rock is dead, long live Seven That Spells.

Wahrscheinlich hatte der Lärm von unten das Wetterungetüm da oben irritiert, denn Düsterkeit und dunkle Wolken ziehen mit besorgniserregender Geschwindigkeit gen Festivalgelände. Schade, denn bisher hatten wir echtes Glück mit dem Wetter.
Stick&Stone - Deville
Gerade noch versuchen Deville mit meteorologischen Weisheiten das Unheil wegzuspielen, aber irgendwie klappt das nicht. Nach 10 Minuten Laufzeit gießt auch schon der Regen vom Himmel, elektronisches Equipment wird gerettet, Menschen werden mit Ponchos versorgt. Da man sich trotz des Temperatursturzes von gefühlten 10 Grad auf die Wichtigkeiten des Festivals konzentrieren will, schaffen die energiestrotzenden Schweden von Deville eine unverkennbare Stimmung, sodass der Niederschlag bald in Vergessenheit gerät.

Vehementes Ignorieren der Wetterlage scheint diese zu optimieren, just wenn The Socks die Bühne entern. Nach ihrer Bedrock EP aus dem Jahr 2012 wurde über das Geröllheimer-Label Small Stone Records vor kurzem der selbstbetitelte Longplayer veröffentlicht. Athletisch-ambitioniert und erfrischend keck umsorgen uns die vier adonischen Prachtexemplare aus Lyon mit Led Zeppelin-inspiriertem Hard Rock, wallenden Mähnen und vollem Karacho an hüftschwingendem Groove und energischer Stimme. Definitiv mein favorisierter Überraschungsact des Festivals!
Nach solch himmelhohem Jauchzen haben es die Landsmänner Mars Red Sky natürlich etwas schwer die Stimmung zu halten, liegt ihr Hauptaufgabengebiet doch eher in der stetigen Melancholie und der im Zaum gehaltenen Ekstase. Julien, der kleine Mann mit der großen Gitarre, holt nach wie vor schöne, klare Melodien aus seinem Instrument während Bassist Jimmy und Schlagzeuger Matgaz für den essentiellen Tiefgang sorgen. Dass Songkonzept und Gesang zuhauf etwas weinerlich und elegisch klingen, war zwar schon immer Mars Red Sky’s klassischer Stil, doch irgendwie fand ich die Band noch vor wenigen Jahren eine Spur interessanter und spannender.

Wenn das Ende naht, wird man fast von selbst melancholisch, egal wie die Musikkulisse gerade ist.
Iron Heel, für die Wiener Nerds ein durchaus bekannter Support einiger Roadtrip to outta Space-Acts, bildet das Schlusslicht, dann gehört das Stick & Stone Fest auch schon der Vergangenheit an.
Immerzu waten die Fünf durch knietiefen Stoner Metal, eingepfercht zwischen Diabolik und Okkultismus. Pathosdurchtränkte Vocals und weitere Folterinstrumente befinden sich im tristen schwarz/rot-Lichtmilieu – Angst und Bang wird einem aber nicht, dazu fehlt es doch an konsequenter Düsterkeit. Spaß macht’s, laut ist’s, alles andere ist im Moment sekundär.

Knapp 300 Besucher können zufrieden, berauscht und glücklich viele schöne Erinnerungen an ein unvergleichbares Wochenende mit nach Hause nehmen, auch wenn der Heimweg immer noch am schwersten fällt. Es gibt kaum gebührende Worte, dem Kulturverein Stick & Stone für seine großartige Organisation, Mühen, Arbeitsaufwände zu danken. Im doch stressigen Alltagsleben ist man froh, auf einem Festival so viel Herzhaftigkeit, Entspanntheit und Freundlichkeit zu begegnen, deren Schaffung nicht selbstverständlich ist.
Tausend Dank an den ganzen Verein und den vielen fleißigen Helferlein. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Ruth für stonerrock.eu